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LÖRRACH. Sie klettern an Mauern empor, springen über Zäune und Geländer: Für vier Lörracher Jungs ist die Stadt ihr Sportplatz. Sie machen Parkour - eine Trendsportart. Dafür trainieren sie bis zu dreimal in der Woche. |
Parkour- Über Stadt und Stein (1:34) "Bei Parkour geht es darum, möglichst effizient Hindernisse zu überwinden. Darum, in der Stadt, auf einem selbst gewählten Weg, von A nach B zu kommen", erklärt Christian Daus die Sportart. Und dabei gilt es dann mit Bewegungskunst und Technik, Zäune und Blumenkübel zu überwinden oder sich an Geländern entlang zu hangeln. "Showelemente wie Salti oder Schrauben kommen beim klassischen Parkour nicht vor", sagt Martin Giggler (19). Die Vier, die sich den Gruppennamen "3 Motion" gegeben haben, machen aber gerne auch solche Kunststücke, wenn sie durch die City rennen. "Das nennt sich dann Freerunning", erklärt Martin. "Das hat sich aus dem Parkour entwickelt, es geht dann nicht mehr nur um Effizienz. Man hat sozusagen ein paar akrobatisch-künstlerische Freiheiten."
Als Begründer der Sportart gilt der Franzose David Belle. Sein Vater war Soldat im Vietnamkrieg. Im Dschungel Vietnams lernte Belles Vater, sich schnell und an seine Umgebung angepasst fortzubewegen. Er lehrte diese Fertigkeiten seinem Sohn. Der wiederum übertrug die Methode in sein eigenes Lebensumfeld, die Stadt. Das war vor etwa 20 Jahren.
"Hindernisse überwinden, das kann man auch im übertragenen Sinne sehen."Janis Reis In Lörrach ist Parkour viel jünger. "Im Februar 2008 haben wir einen Kurs zu Parkour und Freerunning angeboten", sagt Eric Bintz vom Sozialen Arbeitskreis (SAK) in Lörrach. Zusammen mit einem Stuntman, habe man damals die Grundtechniken, wie zum Beispiel richtiges Hinfallen geübt. Das ist besonders wichtig, denn, so viele Möglichkeiten die Stadt zum Springen bietet, so hart ist hier auch die Landung.
Parkour-Jam in Kassel
"Der Kurs hat eine richtige Eigendynamik entwickelt. Heute trainieren die Jungs total selbstständig, die Gruppe verändert sich von alleine. Wir vom SAK schauen nur alle paar Monate mal vorbei."Zwei der vier Stadtsportler, die heute beim Training dabei sind, haben über den SAK-Kurs zum Parkour gefunden, die anderen sind so dazugestoßen. "Die Szene in Lörrach ist klein. Es sind vielleicht so zehn bis fünfzehn Leute in der Stadt, die Parkour aktiv betreiben", meint der 17-Jährige Patrick Diewald. Das habe Vor- aber auch Nachteile. Einerseits genießen es die Jungs Pionierarbeit für ihren Sport in Lörrach zu leisten, finden es stark, die Ersten und Einzigen zu sein, die die Stadt auf diese Art erobern.
"Aber wir haben halt auch niemanden, von dem wir uns was abschauen, oder mit dem wir uns austauschen können", meint Martin Giggler. Über Internetforen stehen sie deshalb in Kontakt mit anderen Parkour-Sportlern in Deutschland. Demnächst fahren sie gemeinsam nach Kassel, die Szene dort lädt zu einem Jam, einem gemeinsamen Training.
Damit Lörrach da vernünftig vertreten wird, legen sich die Lörracher Querstadteinläufer ordentlich ins Zeug, zwei bis dreimal die Woche treffen sie sich zum Trainieren. Es geht ihnen aber nicht darum, besser durch die Stadt hüpfen zu können als andere, der Wettbewerbsgedanke stehe nicht im Vordergrund, sagen sie. Hinter Parkour, stehe eine Philosophie. Wenn sie darüber sprechen, hören sich die jungen Männer nicht an wie urbane Trendsportler, sondern vielmehr wie traditionelle fernöstliche Kampfsportler. "Hindernisse überwinden, das kann man auch im übertragenen Sinne sehen", sagt Jannis Reis (16). Das meint auch Christian Daus. "Ich merke, dass ich Hürden überwinden kann. Solche aus Stein und Beton, aber eben auch Probleme in meinem Leben. Ich bekomme durch Parkour Selbstvertrauen, es hilft mir weiter."
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